Beim Übersetzen eines Buches geht es nicht nur darum, von einer Sprache in die andere zu "switchen". Oft ändert sich auch die Länge des Textes. Manche Übersetzungen haben am Ende tausende Wörter mehr als das Original, andere sind kürzer. Was passiert hier? Und was bedeutet das für dich als Autor? Sehen wir uns an, warum übersetzte Bücher eine unterschiedliche Wortanzahl haben können, wie sich das auf die Kosten auswirkt und wie du im Voraus besser planen kannst.
Warum die Übersetzung die Wortzahl beeinflusst (Beispiele Englisch ↔ Deutsch)
Sprachen drücken Ideen unterschiedlich aus, und das hat Einfluss auf die Wortanzahl. Im Deutschen, zum Beispiel, existieren viele lange zusammengesetzte Substantive wie „Versicherungsgesellschaftsangestellter“. Ein langes Wort im Deutschen braucht im Englischen vielleicht eine ganze Phrase oder umgekehrt.
Englische Redewendungen können in der Übersetzung ebenfalls länger werden. Ein einfaches „He nailed it“ kann im Deutschen zu „Er hat es perfekt gemacht und alle Erwartungen übertroffen“ werden.
Bei diesen Änderungen geht es nicht nur darum, etwas hinzufügen oder wegzulassen. So funktionieren Sprachen einfach, wenn es um die Bedeutung geht. In einem ganzen Manuskript können sich diese Unterschiede schnell summieren.
Warum manche Übersetzungen mehr Kontext brauchen
Manchmal müssen Übersetzer etwas hinzufügen, um kulturelle Unterschiede zu überbrücken oder Dinge zu erklären, die in der Zielsprache nicht existieren.
Nehmen wir als Beispiel die deutsche Übersetzung von „Zodiac Academy – The Awakening“ von Caroline Peckham und Susanne Valenti, übersetzt von Literary Queens. Die Übersetzer haben am Anfang ein Kapitel eingefügt, um zu erklären, dass Begriffe wie „Freshmen“, „Sophomores“, „Juniors“ und „Seniors“ nicht übersetzt werden. Diese Bezeichnungen für die Schuljahre sind Teil des US-amerikanischen Bildungssystems und haben keine direkten Äquivalente im Deutschen, was Leser ohne zusätzlichen Kontext verwirren könnte.
Oder in „Afterlife – Afterlife, Buch 1“ von Stephanie Hudson musste ich ein paar Zeilen hinzufügen, um die Verwendung von formeller und informeller Sprache zu erklären. Im Deutschen (wie auch im Französischen, Spanischen und vielen anderen Sprachen) wird zwischen „Sie“ (formell) und „du“ (informell) unterschieden. Da der Held der Boss der Heldin ist, verwenden sie zunächst die formelle Anrede „Sie“. Doch als ihre Beziehung persönlicher wird, musste ich zu „du“ wechseln und einen kurzen Moment einbauen, in dem er ihr anbietet, sich zu duzen. Hätte ich das nicht getan, wäre der Wechsel für deutsche Leser zu abrupt und merkwürdig gewesen.
Solche Anpassungen fügten nicht nur ein paar Wörter hinzu, sondern zeigen, wie gute Übersetzungen über die Sprache hinausgehen und so zu einem besseren Leseerlebnis beitragen.
Was ist mit dem Vorspann und dem Nachspann?
Die Wortanzahl hat nicht nur eine Bedeutung für die Geschichte. Vor- und Nachspann können ebenfalls Wörter hinzufügen, vor allem, wenn du dir bereits eine Marke als Autor aufgebaut hast.
Nehmen wir zum Beispiel den Nachspann. Die meisten Autoren fügen ihre Altveröffentlichungen hinzu. Wenn diese Titel nicht ebenfalls übersetzt sind, macht es in der Regel keinen Sinn, sie in die übersetzte Ausgabe aufzunehmen. Leser könnten denken, dass diese Bücher in der neuen Sprache verfügbar sind, obwohl das nicht der Fall ist. Wenn du trotzdem deinen kompletten Katalog aufzeigen willst, kannst du einen Hinweis wie: „Diese Bücher sind auf Englisch verfügbar”, hinzufügen, um mehr Transparenz zu schaffen. Und ja, auch das fügt mehr Wörter hinzu.
Hier ist ein kleiner Tipp, mit dem du Zeit und Geld sparen kannst: Wenn du bereits eine übersetzte Autorenbiografie oder andere Standardinhalte wie Danksagungen hast, schick diese nicht erneut zur Übersetzung. Lösche sie einfach aus dem nächsten Manuskript, das du deinem Übersetzer zukommen lässt. So vermeidest du doppelte Kosten für dasselbe Material. Jedes Wort zählt!
Welchen Einfluss die Wortanzahl auf Marketing und Metadaten hat
Wenn dein übersetztes Buch am Ende länger oder kürzer ist, kann das mehr als nur das Manuskript betreffen. Hier ein paar Dinge, die es zu beachten gilt:
- Werbetexte und Klappentexte: Diese müssen oft komplett neu geschrieben werden, damit sie in das Zeichenlimit passen und trotzdem gut ankommen. Eine direkte Übersetzung kann schnell zu lang werden für Amazon Ads oder Facebook.
- Metadaten der Plattform: Manche Händler setzen Wort- oder Zeichenlimits für Beschreibungen, Stichwörter und Titel. Eine längere Übersetzung muss vielleicht gekürzt werden, um diese Vorgaben einzuhalten.
- Rhythmus und Tonfall: Selbst kleine Änderungen in der Satzlänge oder im Rhythmus können die Stimmung deiner Geschichte subtil verändern. Ein guter Übersetzer behält deinen Stil bei und passt ihn gleichzeitig ganz natürlich an die Zielsprache an.
Budgetierung und Preisgestaltung basierend auf der Wortanzahl
Die Übersetzungskosten hängen von der Sprache ab. Das kann am Anfang etwas verwirrend sein.
Die meisten englischen Übersetzer berechnen pro Wort, basierend auf der Wortzahl des Originalmanuskripts. Im Gegensatz dazu berechnen deutsche Übersetzer in der Regel pro „Normseite”. Eine Normseite wird nach Zeichen gezählt, normalerweise zwischen 1.500 und 1.800 Zeichen inklusive Leerzeichen. Bei dieser Methode zählt jedes Leerzeichen und jeder Buchstabe, und die Kosten können je nach Länge und Dichte deines Textes variieren. Deutsche Übersetzer bevorzugen dieses Modell, weil es den Aufwand für textlastige Inhalte direkt widerspiegelt. (Mehr dazu findest du in meinem Beitrag hier: Warum sind Buchübersetzungen so kostspielig?)
Um alles transparent und einfach zu halten, berechne ich einen Fixpreis pro Wort, basierend auf dem Originaltext, unabhängig davon, ob die Übersetzung am Ende länger oder kürzer ausfällt. So weißt du schon im Voraus über die Gesamtkosten Bescheid. Keine Überraschungen.
Außerdem erwähnenswert: Du kannst übersetzte Bücher teurer verkaufen. Während dein englisches eBook vielleicht 2,99 $ kostet, verkauft sich die deutsche Version oft für 4,99 € bis 5,99 €. Das spiegelt die Erwartungen des lokalen Marktes und die Zusatzkosten für die Übersetzung wider.
Fazit
Übersetzen ist nicht nur ein Wort-für-Wort-Austausch. Es handelt sich um einen kreativen Prozess, geprägt von der einzigartigen Struktur jeder Sprache. Deshalb sind übersetzte Bücher oft länger oder kürzer als das Original, auch wenn der Inhalt unverändert bleibt.
Und hier ist der Haken: Erst, wenn deine Übersetzung fertig ist, weißt du, ob sie länger oder kürzer ist – also übersetzt, lektoriert und korrigiert. Wenn du dein Buch übersetzen lassen willst und ein klares, stressfreies Preismodell sowie beste Qualität suchst, bin ich gern für dich da. Schau dir meine Übersetzungsdienstleistungen an und finde heraus, wie wir deine Geschichte einem neuen Publikum zugänglich machen können 👉 Buchübersetzung




